ASCII Art

Beitrag von Andreas am/um 20. März 2017 - 17:57

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Lexikon

Als ASCII Art (ASCII Kunst) bezeichnet Bilder, die nur mit Buchstaben des gleichen Typs erstellt wurden. Dafür eignen sich natürlich besonders Schreibmaschinen und Computer.

ASCII Art: Geschichte | Vorteile | Eigenschaften | Erstellung | Links

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Aus sieben drei- oder viereckigen Holzstücken besteht das bekannte „Tangram“, und damit kann man schon ziemlich viele Bilder machen. Mit dem Taschenmesser kann man alles Mögliche (z. B. ein Herz?) in eine Baumrinde schnitzen. Und mit der Schreibmaschine?

Mit einer Schreibmaschine—oder sagen wir lieber gleich: mit Schrift allgemein—kann man nicht nur Texte, sondern auch Bilder erstellen. Erinnern wir uns an die ersten Versuche an Papas Schreibmaschine? Da konnten wir noch nicht schreiben, aber die ersten Bilder mit den Tasten auf‘s Papier hämmern.

Geschichte

Auch Schriftsteller und Lyriker (Ch. Morgenstern [Fisches Nachtgedicht] [Trichter], Apollinaire [Kalligramm], Lewis Carroll [The Mouse’s Tale]) haben so seit langem ihren Texten zusätzlich eine „Gestalt“ gegeben und Künstler haben Bilder nur mit Schreibmaschinen getippt (Typewriter Museum, Paul Smith).

Man bediente sich dieser Zeichenmethode, als Computer noch keine bunten Graphiken, sondern nur einfarbige Texte darstellen und ausdrucken konnten. Um das Bilderbedürfnis zu stillen wurden kleine und große Bilder, oft in stundenlanger Arbeit, Zeichen für Zeichen im Texteditor zurechtgetippt. Dafür hat sich der Begriff „ASCII Art“ eingebürgert. Frei übersetzt bedeutet das so etwas ähnliches wie „Schreibmaschinenkunst“. ASCII ist die Abkürzung für „American Standard Code for Information Interchange“ und ist der de facto Standard-Zeichencode auf Computern. Diese Bilder wurden dann rauf- und runtergeladen und ausgedruckt oder in Mails eingefügt. Das Internet war noch nicht so allgemein zugänglich wie jetzt und so lief diese Kommunikation meist über Mailboxen (bzw. BBS: Bulletin Board System, CompuServe z. B.). Mit dem Einzug von Scannern und Digitalkameras sind diese Text-Bilder seltener geworden. Eine ausführliche Geschichte und Darstellung der ASCII Art findet man in Joan Stark‘s ASCII Art Gallery - oder hier (Textversion). Im Internet gibt es viele Seiten, auf denen diese Bilder gesammelt wurden und werden. Und es finden sich auch eigene Newsgroups zu diesem Thema: alt.ascii.art | rec.arts.ascii | alt.ascii-art.animation

Eine Technik also, die überholt ist? Mitnichten - auch heute hat ASCII Art noch Vorteile. Die in E-Mails verwendeten Emoticons bzw. Smileys sind sozusagen eine „minimal ASCII Art“. Ich würde mich nicht wundern, wenn demnächst ein Revival der ASCII Art bevorsteht. Seinen wir also der Zeit voraus und gehen noch ein bißchen auf dieses Thema ein:

Das sind doch — ja! — die Beatles. Das Original sehen Sie hier. Auch dieses Bild ist von einem unbekannten Künstler, der aber diese Bilder wohl wirklich von Hand und ohne Computerhilfe erstellt hat. Sie bestehen aus 9.520 Buchstaben und 9.246 Leerzeichen in 289 Zeilen, wirken aber nicht ‚sooo‘ realistisch.

Welche Vorteile hat ASCII Art heute noch?

  • bandbreitenschonend: noch nicht jeder hat eine schnelle Internetanbindung und freut sich über große an E-Mails angehängte Bilddateien (Attachments). ASCII Art-Bilder fallen heute kaum ins Gewicht.
  • es macht Spaß: wer statt Kreuzworträtseln lieber was Kreatives machen will, sollte es einfach mal probieren: es ist kniffliger, als es aussieht!
  • problemlos: Wenn man keine unüblichen Sonderzeichen verwendet, kann das Bild überall empfangen werden, ganz im Gegensatz zu nicht-standardisierten Datei-Formaten. Es muß auch nichts abgespeichert oder entpackt werden. Und: ein ASCII-Bild kann keine Viren übertragen. Mit den Textkopierfunktionen Kopieren/Ausschneiden/Einfügen kann ein Bild sehr einfach von einem Dokument in ein anderes bzw. in eine E-Mail eingefügt werden.
  • auffällig: sind Bilder ja sowieso, aber da man ASCII Bilder z. Zt. selten sieht, erregen sie schon wieder Aufmerksamkeit.
  • individuell: am Ende einer E-mail setzt man keine unterschrift. Üblicherweise verwendet man hier eine eigene ‚Signatur‘, einen Abbinder, der neben dem Namen nocht die Kontaktdaten (Telefon, Homepage etc.) und vielleicht noch das jeweilige Lebensmotto enthält. Diese Signatur wird als Textdatei abgespeichert und dann automatisch am Ende der gesendeten Mail eingefügt. Hier lohnt es sich natürlich, ein wenig Aufwand bei der Erstellung zu treiben. Die E-Mail Signatur ist ein guter Platz, um mit ASCII Art sein Zeichen zu setzen.

Eigenschaften

Der Reiz der ASCII Art liegt in der Einfachheit. Um Probleme mit Sonderzeichen zu umgehen, die in der Schrift beim Empfänger nicht oder nicht richtig darstellbar sind, beschränkt sich die „pure ASCII Art“ auf die 95 Zeichen, die in allen gängigen Zeichensätzen gleich definiert sind:

 !"#$%'()*+,-./0123456789:;<=>?@
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ[\]^_`
abcdefghijklmnopqrstuvwxyz{|}~

Wichtigste Voraussetzung für die korrekte Darstellung der Bilder ist, daß zur Anzeige ein Zeichensatz mit fester Zeichenbreite verwendet werden muß (z. B. Courier, Courier New)! Ansonsten fällt das schöne Bild auseinander:

Schrift mit 
fester Zeichenbreite:

   ))/|)(
   /   \\)
  (-)(.)--(
  | C    D)
  ( ___  ((
  \ \_/  /
   \____/
      \ \ ap
Schrift mit
variabler Zeichenbreite:

   ))/|)(
   /   \\)
  (-)(.)--(
  | C    D)
  ( ___  ((
  \ \_/  /
   \____/
      \ \ ap

Aus dieser puren Form haben sich natürlich noch weitere Spielarten entwickelt. So findet man auch „HTML ASCII Art“, die noch weitere Formatierungsoptionen (wie auf Internetseiten, die ja auch HTML basieren) bietet, etwa Farben und unterschiedliche Schriftgrößen. Und dann gibt es noch die „ASCII Movies“, das sind „Zeichen“-Trickfilme, bei denen mehrere ASCII-Bilder schnell hintereinander angezeigt werden, und so die Bilder zum Leben erwecken.

Erstellung

Zum Erstellen von diesen Bildern braucht man außer Geduld eigentlich gar nichts. Ein (möglichst einfacher) Texteditor ist bei jedem Betriebssystem vorhanden (bei Windows „Notepad“, bei Macintosh „SimpleText“ bzw. „TextEdit“). Wenn der Editor so komfortabel ist, dass er die Auswahl einer Schrift erlaubt, dann ist, wie schon erwähnt, darauf zu achten, daß eine Schrift mit fixer Zeichenbreite eingestellt ist.

Da die Bilder am Computer erstellt werden, gibt es natürlich auch Hilfsprogramme, die einem beim Zeichnen hilfreich unter die Arme greifen. Puristen verwenden so etwas natürlich nicht. Die eindrucksvollsten Bilder sind natürlich die „handoptimierten“. Hier muß jeder Künstler seinen eigenen Weg finden. Die Hilfsprogramme bieten u. a. folgende Features:

                  ____ __           __          __
   ___ ________ _/ _(_) /_________ / /_____ ___/ /__
  / _ `/ __/ _ `/ _/ /  '_/___/ -_) __/ __// _  / -_)
  \_, /_/  \_,_/_//_/_/\_\    \__/\__/\__(_)_,_/\__/
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                  _|_) |           |             |
    _` |  _|_` |  _| | | /____|-_)  _|  _|    _` |  -_)
  \__, |_|\__,_|_|  _|_\_\   \___|\__|\__|_)\__,_|\___|
  ____/
  • Große Schriften: Damit ist das Erstellen von ASCII-Überschriften so einfach wie in einem Text-Programm: Text eingeben, Schriftart wählen, fertig ist die Überschrift:
  • Das Programm dazu heißt „FIGlet“, Manche Programme bieten neben anderen Features auch die Unterstützung von FIGlet-Schriften.
  • Grafik-Primitiven: damit ist es wie in normalen Zeichenprogrammen ein Leichtes, Linien und Kurven, Kreise und Rechtecke zu zeichen, eben nur mit ASCII-Zeichen. Man tippt also nicht mehr Zeichen für Zeichen ein, sondern „malt“ Zeichen mit der Maus. Folgender Kasten entsteht so mit drei Mausbewegungen:
    +==----------------------------------------------==+
    | ```---..___                         ___...---'"" |
    |            ```---...__  ___...---''"             |
    |              ___..---''"`---...__                |
    |  ___...---'""                    ```---...__     |
    +--------------------------------------------------+
    
  • Bild-in-Text-Umwandlung: Eine vorhandene Bilddatei wird durch das Programm automatisch in eine entsprechende Textdarstellung umgewandelt. Beispiel (links Original, rechts ASCII-Text-Version:

Diese drei Beispiele wurden mit JavE 5.0, dem „Java ASCII Versatile Editor“ erstellt. Ein sehr praktisches Freeware-Programm, das alle diese Funktionen (und noch einige mehr) beinhaltet und als Java-Programm auf allen Systemen läuft, die Java unterstützen.


Links zum Thema ASCII Art:

ASCII Art Homepages/Linklisten:

ASCII Art Programme:

Viele weitere Programme finden sich über die obigen ASCII Art Seiten.

  • Überschriften/Headlines: FIGlet Homepage
  • Der „Multifunktions-Editor“ JavE
  • Online Überschriften erzeugen mit dem ASCII Generator

Typewriter Art: