Aufnahme

Beitrag von Andreas am/um 29. März 2017 - 22:50

Ein Film besteht aus einer ganzen Menge von Einzelbildern. Effizienz lohnt sich hier also. Wir entschieden uns für die Arbeitsteilung von Kameramann und Animateur. Ich bediente also die Kamera und mein Sohn richtete jeweils die Objekte für die nächste Einstellung ein. Nach ungefähr einer Stunde waren die Bilder im Kasten.

Vor der ersten Aufnahme ist erst einmal die Kamera einzustellen. Setzen Sie die Auflösung herunter, denn wir wollen viele Bilder machen. 640 x 480 Pixel reichen dafür. Es erleichtert auch die Weiterverarbeitung, wenn die Bilddateien nicht so groß sind. Ermitteln Sie dann mit Probeaufnahmen die richtige Einstellung von Belichtung, Schärfe etc.

Als erstes machen wir das Bild von dem Apfel im "Normalzustand". Wir nehmen nur ein Bild, obwohl diese Einstellung später mehrere Sekunden dauert. Dafür läßt sich dieses Bild im "Schnittprogramm" später einfach auf die gewünschte Dauer "strecken" bzw. es wird entsprechend mehrmals hintereinander importiert. Auch für die Szene, in der die Fliege ins Bild kommt, wurde dieses Bild hinterlegt.

Die nächsten Bilder sind dann das Auftauchen der Augen (erst mit Strich, dann mit Pupillen = Blinzeln). Dazu werden die entsprechenden Reißnägel in den Apfel gesteckt. Beim Wechseln der Augen ist es wichtig, daß die neuen Augen genau in die vorhandenen Löcher der vorigen gesteckt werden. Dann rollen die Augen - dazu werden einfach Bild für Bild die Reißnägel etwas gedreht. Hier ist das Timing wichtig. Schätzen Sie ein, wie lange die gewünschte Bewegung dauert und errechnen Sie daraus die nötige Anzahl der Einzelbilder. Das Augenrollen sollte ca. 1 Sekunde dauern. Also haben wir 6 Bilder gemacht, weil wir faul waren und nachher jedes Bild doppelt verwendet haben.

Das zweite Blinzeln des Auges haben wir uns auch erspart, weil man dafür auch das erste Blinzeln wiederverwenden kann. Für das Auf- und Zuschnappen des Mundes haben wir 8 Bilder gemacht. Hier sollte man sich ein wenig in die Figur hineindenken und die Bewegung im Geiste genau nachverfolgen. Natürliche Bewegungen sind selten linear, sondern beschleunigt und abgebremst. Der Apfel wird also nach und nach geöffnet, zuerst in kleineren Schritten, dann in größeren. Wir haben uns auch dafür entschieden, daß der Apfel beim Zubeißen die Augen schliessen soll. Kaum wahrzunehmen, aber effektvoll.

Damit war von meiner Seite aus die Aufnahme beendet. Doch der Sohn hatte noch die Idee, daß sich der Apfel zum Schluß mit der Zunge die Lippen lecken sollte. Eine gute Idee, die dazu führte, daß das Blatt vom Küchenbasilikum noch in die Requisitenliste mit aufgenommen wurde.